Ausgabe 1/2022

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Vielen von Ihnen ging es sicherlich so wie Friederike von Tiedemann, als sie sich durch die Pandemie herausgefordert sah, plötzlich viele Beratungen im Online Setting durchführen zu müssen. Sie beschreibt in ihrem Artikel Paarprozesse online – Grenzen und Möglichkeiten der digitalen Beratungsform ihre Erfahrungen. Zunächst immer wieder die Frage, ob das mit der Technik klappt, ob man gehört wird und kommt dann zu dem Resümee: Veränderungsrelevant ist, was mit einem Affekt einhergeht. Emotionales Erleben in den Begegnungsraum des Paares zu bringen, ist auch am Screen möglich! Mehr, als manch einer erwartet hätte. Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht ermuntert dazu, hier weiter auszuprobieren.

Birgit Knatz ist Pionierin der Online-Seelsorge und Online-Beratung. 1995 war sie maßgeblich daran beteiligt, dass die Telefon-Seelsorge Deutschland, als erste deutschsprachige Beratungsstelle, „ins Internet gebracht wurde“. Vor mehr als 20 Jahren hat sie das Vier-Folien-Konzept entwickelt, das heute zum Standard in der Online-Beratung und Internetseelsorge geworden. In ihrem Artikel Digitale Beratungsformate und ihre Besonderheiten für die Beratung macht sie deutlich, dass Online-Beratung mehr ist als die Ersetzung von face-to-face Beratung in ein Videoformat. Mailen und Chatten sind schon mehr als 25 Jahren gängige digitale Beratungsformate. Seit einigen Jahren ist auch die Beratung über Sprachnachrichten möglich. Alle digitalen Beratungsformate können flexibel eingesetzt werden und wirken für sich, als auch zur Ergänzung der face-to-face-Beratung oder an eine Heranführung zur Therapie. Der Artikel zeigt Merkmale und Besonderheiten der vier Online-Beratungsformate und die Handhabung für (Online) Beratende auf.

Kritisch setzt sich Christian Rösler mit der Möglichkeit der internetbasierten Beratung und Therapie in seinem Artikel Tele-Analyse – Psychotherapie über technische Medien und die Konsequenzen für Interaktion und Beziehung auseinander. Er stellt, hinsichtlich der neuen Medien die zentrale Frage: Entheben die technischen Möglichkeiten des dauernden imaginären Anwesend-Sein-Lassens die Individuen von der Notwendigkeit der Symbolisierung? Welche psychischen Strukturen entstehen – oder entstehen nicht – wenn ich jederzeit die Möglichkeit habe, einem Therapeuten eine E-Mail zu schreiben oder aber bei aufkommenden Schwierigkeiten die Beziehung jederzeit über die Exit-Funktion verlassen kann? Empirisch zeigt sich ja schon, dass die vielen Vorteile des virtuellen Kontaktes natürlich auch eine Vermeidung von realen zwischenmenschlichen Kontakten fördern können, was gerade für bestimmte Personen, die Psychotherapie suchen, zu einer weiteren Isolation und Vereinsamung führen kann. Aus eben diesem Grund können rein virtuelle therapeutische Kontakte eine Flucht in eine virtuelle irreale Welt fördern.

Wir wünschen Ihnen, dass die Literatur dieser drei unterschiedlichen Beiträge Ihnen hilft zu experimentieren und eine eigene Position für sich herauszufinden. Denn das ist das Entscheidende, dass wir als Therapeut*innen und Berater*innen hinter dem was wir tun, auch stehen können.

In den Buchbesprechungen weisen wir besonders auf das Buch von William Isaacs, Dialog als Kunst gemeinsam zu denken hin. Es eröffnet ganz neue Möglichkeiten, etwa im Rahmen der Beziehungstherapie zu Lösungen zu kommen, an die vorher keiner der jeweils Beteiligten gedacht hat.

Gute Anregungen und Impulse bei der Lektüre wünschen Ihnen

Christine Kröger und Rudolf Sanders

Ein Gedanke zu „Ausgabe 1/2022“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Sanders,

    ich weiß nicht sicher, ob ich Sie hier wirklich erreiche, weil diese Website kein Impressum hat, versuche es aber dennoch.
    Herzlichen Dank für ihre gute und respektvolle Rezension zu meinem Buch „Transfrau? Ja, genau!“, die zudem recht liebevoll geschrieben ist. Hat mich sehr gefreut.

    Beste Grüße
    Ulrika Schöllner

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