Ausgabe 3/2018

Ausgabe 3 / 2018

Editorial

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Diese Ausgabe umfasst vier Beiträge, die psychosoziale und sozialtherapeutische Beratungsprozesse in der Klinischen Sozialarbeit beleuchten. Hier geht es um Klientinnen und Klienten, die aufgrund der Schwere und Komplexität der Belastungen, besonders niedrigschwellige Zugänge benötigen.

Helmut Pauls umreißt in seinem richtungsweisenden Artikel Beratungskompetenzen in der Klinischen Sozialarbeit zunächst das Profil klinisch-sozialarbeiterischen Handels und thematisiert zentrale beraterische Aufgaben und Inhalte. Vor diesem Hintergrund wird eine Übersicht grundlegender beraterischer Fertigkeitsdimensionen entwickelt, die einen lebensweltorientierten und multiperspektivischen Zugang zu hilfebedürftigen, gefährdeten und/oder erkrankten Menschen in und mit ihrer Umgebung möglich machen. Es wird deutlich, dass Beratung hier ganzheitlich auf die Förderung und den Erhalt der bio-psycho-sozialen Gesundheit abzielt, um die soziale Funktionsfähigkeit von Einzelnen, Familien und Gruppen zu stärken.

Obwohl jeder weiß, dass ohne Beziehung in Beratung und Therapie „nichts läuft“, scheint es gar nicht so einfach zu sein, ein theoretisches Fundament für die Gestaltung von Beratungsbeziehungen zu entwickeln. Dabei benötigen Fachkräfte der Klinischen Sozialarbeit eine besonders intensive Auseinandersetzung mit beziehungstheoretischen und -praktischen Inhalten, da es um die begleitende, beratende und behandelnde Unterstützung von „schwer erreichbaren“ Menschen in Multiproblemsituationen geht. Zentral zum Verständnis sind hier bindungstheoretische, vertrauenstheoretische und netzwerktheoretische Überlegungen, die Silke Birgitta Gahleitner in ihrem Beitrag Professionelle Beziehungsgestaltung in Beratungszusammenhängen der Klinischen Sozialarbeit vorstellt. Gleichzeitig werden Implikationen für die konkrete praktische Beziehungsarbeit deutlich.

Ist durch eine vertrauensvolle, bindungsorientierte Beziehungsgestaltung der Boden bereitet, wird es möglich sozialtherapeutisch zu arbeiten. Hier ist der Königsweg, Klärung und Bewältigung miteinander zu verbinden. Dabei zeichnet sich eine gelungene Unterstützung vor allem dadurch aus, dass destruktive Eskalationsprozesse abgefangen werden, indem die verschiedenen Belastungsdimensionen (individuums-bezogen, beziehungsbezogenen und gesamtgesellschaftlich) sowie ihre Wechselwirkungen gleichermaßen bearbeitet werden. Christine Kröger macht in ihrem Beitrag Zur Bedeutung tiefenpsychologischer und verhaltensorientierter Konzepte für sozialtherapeutische Beratungsprozesse Mut, das Potential psychotherapeutischer Methoden so nutzbar zu machen, dass sich für schwer belastete Menschen neue Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Der abschließende Beitrag von Marion Mayer Professionalisierungswege und Charakteristika psychosozialer Beratung fokussiert die Entwicklung und Etablierung von psychosozialer Beratung als eigenständigem theoretischem, konzeptionellem und praxisbezogenem Feld. Sie beleuchtet die Vielfalt und Diversität von Beratung und geht in diesem Zusammenhang auch auf die besonderen Chancen von offenen und alltagsnahen Beratungssettings ein. Insgesamt plädiert sie für eine Bündelung fachwissenschaftlicher und politischer Anstrengungen in einer integrierenden Beratungswissenschaft.

Mit Blick auf die Rezensionen möchte ich besonders auf das Buch von Fabienne Becker-Stoll, Kathrin Beckh und Julia Berkic: Bindung – Eine sichere Basis fürs Leben – Das große Elternbuch für die ersten sechs Jahre. Kösel-Verlag, München 2018, hinweisen. Ein inhaltlich hochwertiges Buch, das auf umfassenden Forschungsarbeiten basiert. Ich stelle mir vor, Kommunen würden das Eltern zur Geburt ihres ersten Kindes schenken. Gerade zu diesem sensiblen Zeitpunkt wünschen sich junge Eltern Informationen und Unterstützung. Im Sinne der Prävention könnte dies ein kleiner Beitrag für einen guten Start in das Leben sein.

Dr. Rudolf Sanders