»Unter der Gürtellinie ist tote Hose«

Sexualpädagogisches Verweisungswissen in der Ausbildung psychosozialer Fachkräfte – Kommentar

Autor/innen

  • Stefan Hierholzer

DOI:

https://doi.org/10.30820/1437-3181-2026-1-45

Schlagworte:

Sexualpädagogik, Verweisungswissen, psychosoziale Ausbildung, sexuelle Gesundheit, Öffentliches Gesundheitswesen

Abstract

Trotz völkerrechtlich anerkannter sexueller Rechte und der Allgegenwart von Sexualität in psychosozialen Handlungsfeldern im Sinne des IPPF bleibt das Thema in der Qualifizierung deutscher Fachkräfte randständig (IPPF, 2008). Dieser Kommentar beleuchtet die strukturelle Sprachlosigkeit in Curricula der psychosozialen Berufe (u. a. Sozialen Arbeit, Kindheitspädagogik sowie der Erzieher*innenausbildung) und argumentiert, dass fehlendes sexualpädagogisches Verweisungswissen (Kapitel 4) eine folgenreiche Leerstelle an der Schnittstelle zum öffentlichen Gesundheitswesen darstellt. Fehlen Fachkräften sprachliche Sicherheit, Indikationssensibilität und Wissen über Hilfesysteme, werden sexualitätsbezogene Anliegen weder eingeordnet noch professionell erarbeitet, und der Zugang zu sexualund paartherapeutischen Angeboten erschwert sich systemisch. Der Beitrag plädiert für eine curriculare Verankerung, die Sexualität nicht primär unter Gefahrenabwehr, sondern als integrale Dimension von öffentlicher Gesundheit, Selbstbestimmung und professioneller Beziehungsgestaltung versteht.

Autor/innen-Biografie

Stefan Hierholzer

Stefan Hierholzer ist Schulleiter der Pädagogika Fachschule für Sozialwesen in Potsdam, staatlich anerkannter Erzieher sowie Master of Education für das Lehramt an berufsbildenden Schulen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik. Seine berufliche Praxis verbindet elementarpädagogische Arbeit, Fachschullehre, Hochschullehre, Schulentwicklung, Qualitätsmanagement und digitale Bildung. Als Autor, Dozent und Referent arbeitet er seit vielen Jahren zu Sexualpädagogik, sexueller Bildung, Gender und Diversity, Professionalisierung sozialpädagogischer Berufe sowie Digital- und Medienpädagogik. In seinen Veröffentlichungen und Fachvorträgen verbindet er berufliche Bildung, sozialdidaktische Perspektiven und anwendungsbezogene Sexualwissenschaft. Sein besonderes Interesse gilt der Frage, wie pädagogische Fachkräfte in komplexen Praxisfeldern fachlich fundiert, reflektiert und handlungssicher arbeiten können.
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Zitationsvorschlag

Hierholzer, S. (2026). »Unter der Gürtellinie ist tote Hose«: Sexualpädagogisches Verweisungswissen in der Ausbildung psychosozialer Fachkräfte – Kommentar. Beratung Aktuell, 27(1), 45–54. https://doi.org/10.30820/1437-3181-2026-1-45